· Pressemitteilung

25 Jahre Kriseninterventionsdienst

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25 Jahre Kriseninterventionsdienst Rottal-Inn

Da sein, wenn Menschen Halt brauchen.

Pfarrkirchen. Es sind Situationen, auf die sich niemand vorbereiten kann: der plötzliche Tod eines Angehörigen, eine erfolglose Reanimation, ein schwerer Unfall oder ein anderes traumatisches Ereignis. Situationen, in denen für Betroffene von einer Sekunde auf die andere nichts mehr ist wie zuvor. Seit 25 Jahren stehen in solchen Momenten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Kriseninterventionsdienstes (KiD) des BRK-Kreisverbandes Rottal-Inn den Menschen im Landkreis zur Seite. Dieses besondere Jubiläum wurde am Samstag, 19. September, im BRK-Haus in Pfarrkirchen gemeinsam mit Wegbegleitern, Einsatzpartnern und Gästen gefeiert.

Nach einem gemeinsamen Grillen begann der Festakt, der von zwei Klarinettistinnen der Musikkapelle Massing musikalisch umrahmt wurde. Alexander Druse, stellvertretender Leiter des KiD, nahm die Gäste dabei mit auf eine Reise durch die vergangenen 25 Jahre.

Die Bilanz zeigt eindrucksvoll, was in einem Vierteljahrhundert ehrenamtlicher Krisenintervention geleistet wurde: Zwischen 2001 und 2025 rückte der KiD zu 1.108 Einsätzen aus. Dabei wurden 4.611 Menschen betreut und 3.996 Einsatzstunden dokumentiert. Hinzu kommen seit 2015 weitere 138 Einsätze der Notfallseelsorge.

Doch hinter diesen Zahlen stehen vor allem menschliche Schicksale. Aufgabe des KiD ist es, Betroffenen in den ersten Stunden nach einem belastenden Ereignis Halt und Orientierung zu geben, Überforderung zu reduzieren und sie schließlich an ihr soziales Umfeld, Fachstellen, Seelsorge oder andere Unterstützungsangebote zu übergeben.

Wie wichtig diese Arbeit ist, machten auch die Grußworte deutlich. Polizeirat Sebastian Feucht, Leiter der Polizeilichen Betreuungsgruppe beim Polizeipräsidium Niederbayern, bezeichnete die Krisenintervention sinngemäß als „Erste Hilfe für die Seele“. Während die Polizei am Einsatzort für äußere Sicherheit und Ordnung sorge, schaffe der KiD einen geschützten Raum für Menschen in Momenten tiefster Verzweiflung. Er dankte insbesondere für die professionelle Zusammenarbeit und das ehrenamtliche Engagement.

Auch stellvertretende Landrätin Larissa Hausberger würdigte die Helferinnen und Helfer, die Tag und Nacht, an Wochenenden und Feiertagen bereit seien, Menschen in ihren schwierigsten Stunden beizustehen. Neben Ausbildung und fachlicher Kompetenz brauche es dafür vor allem Menschlichkeit, Empathie und persönliche Stärke. Gleichzeitig hob sie die gute Zusammenarbeit von Kriseninterventionsdienst, Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und Notfallseelsorge hervor.

Auch Pfarrer Michael Brunn, Sprecher der Notfallseelsorge der Diözese Passau, gratulierte dem Kriseninterventionsdienst zu seinem 25-jährigen Bestehen und würdigte die seit vielen Jahren gewachsene, vertrauensvolle Zusammenarbeit. Kriseninterventionsdienst und Notfallseelsorge arbeiten eng zusammen, wenn Menschen nach besonders belastenden Ereignissen Beistand und Begleitung benötigen. Dabei verwies Brunn auch auf ein bevorstehendes Jubiläum in den eigenen Reihen: Im Januar feiert die Notfallseelsorge der Diözese Passau ebenfalls ihr 25-jähriges Bestehen. Er dankte dem KiD-Team für das gute Miteinander und die verlässliche Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.

Kreisbrandmeister Karl Kaiser dankte für die langjährige und gute Zusammenarbeit, insbesondere im Bereich der Psychosozialen Notfallversorgung. Dass sich über einen so langen Zeitraum Menschen bereit erklärten, anderen in schwierigsten Situationen zu helfen, verdiene besondere Anerkennung. Walter Müller würdigte er dabei als „Urgestein“ der Krisenintervention im Landkreis.

Der stellvertretende Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes Rottal-Inn, Christoph Kaiser, erinnerte an die Entwicklung des Dienstes und stellte fest, dass der KiD nach 25 Jahren längst fest etabliert und aus den Hilfsstrukturen im Landkreis nicht mehr wegzudenken sei. Die Krisenintervention könne den Betroffenen ihre Situation nicht abnehmen, aber in den ersten Stunden wichtige Weichen stellen. Gleichzeitig appellierte Kaiser an die Ehrenamtlichen, bei aller Fürsorge für andere auch auf sich selbst zu achten.

Kreisbereitschaftsleiter Daniel Jetzelsperger rückte besonders diejenigen in den Mittelpunkt, die den KiD über viele Jahre geprägt haben. Walter Müller und Hildegard „Hilde“ Konrad kommen gemeinsam auf mehr als 540 geleistete KiD-Einsätze. Müller ist Gründungsmitglied und seit Beginn Leiter des Kriseninterventionsdienstes. Für ihn verbindet sich das Jubiläum zudem mit 40 Jahren Engagement im Bayerischen Roten Kreuz.

Auch Waltraud Wiese, Heinrich Müller und Ralf Puiu wurden für ihr langjähriges Engagement hervorgehoben. Die Zahlen verdeutlichen dabei nur einen Teil dessen, was die Ehrenamtlichen leisten: Hinter jedem einzelnen Einsatz steht die Entscheidung, den eigenen Alltag zu unterbrechen und für Menschen da zu sein, die gerade einen der schwersten Momente ihres Lebens erleben.

Der Blick an diesem Abend ging aber nicht nur zurück. In den kommenden Jahren sollen die Leitungs- und Führungsstrukturen weiter gestärkt, neue Helferinnen und Helfer qualifiziert und Erfahrungen weitergegeben werden. Zudem soll die SEG PSNV für überregionale Großschadenslagen und längerfristige Einsätze weiterentwickelt werden.

So war die Jubiläumsfeier vor allem ein Dankeschön an all jene Frauen und Männer, die seit 25 Jahren bereit sind, ihre Zeit, ihre Erfahrung und ihre Menschlichkeit für andere einzusetzen. Denn der Kern der Krisenintervention ist trotz aller fachlichen Entwicklung derselbe geblieben: da zu sein, zuzuhören, Halt zu geben – und dafür zu sorgen, dass ein Mensch in seinem schwersten Moment nicht alleine bleibt.