· Pressemitteilung

Gemeinsam für Menschen in Krisensituationen

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Fachdienstlager Kriseninterventionsdienst in Pfarrkirchen

BRK-Fachdienstlager in Pfarrkirchen

66 angemeldete Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus zehn BRK-Kreisverbänden, sechs Referenten und ein vielseitiges Fortbildungsprogramm: Beim gemeinsamen Fachdienstlager des Kriseninterventionsdienstes (KID) in Pfarrkirchen standen vor Kurzem der fachliche Austausch, neue Erkenntnisse und die kreisverbandsübergreifende Zusammenarbeit im Mittelpunkt. Der BRK-Kreisverband Rottal-Inn war Gastgeber der Veranstaltung, bei der sich alles um die Begleitung von Menschen in außergewöhnlichen Belastungssituationen drehte.

Wenn Menschen plötzlich mit dem Tod eines Angehörigen, einem schweren Unfall oder anderen belastenden Ereignissen konfrontiert werden, sind die Einsatzkräfte des Kriseninterventionsdienstes wichtige Ansprechpartner. Sie begleiten Betroffene in den ersten Stunden nach einem einschneidenden Erlebnis, geben Orientierung und helfen dabei, die unmittelbare Situation zu bewältigen. Um für diese verantwortungsvolle Aufgabe bestmöglich vorbereitet zu sein, sind regelmäßige Fortbildungen und der Austausch mit anderen Fachdiensten von großer Bedeutung.

Genau hier setzte das gemeinsame Fachdienstlager am Standort des BRK-Kreisverbandes Rottal-Inn in Pfarrkirchen an. Insgesamt 66 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich für die Veranstaltung angemeldet. Vertreten waren die BRK-Kreisverbände Cham, Kelheim, Altötting, Dingolfing-Landau, Tirschenreuth, Mühldorf, Regen, Landshut, Straubing-Bogen sowie der gastgebende Kreisverband Rottal-Inn. Sechs Referenten sorgten mit unterschiedlichen Fachthemen für ein abwechslungsreiches und informatives Programm.

Trauerbegleitung mit Unterstützung von Natur und Tieren

Einen besonderen Einblick in die Begleitung trauernder Menschen gab Susanne Anzeneder, die ihre Arbeit bei „Inn-Natur“ vorstellte. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebensphasen zu unterstützen. Anzeneder hat hierfür unter anderem einen speziellen Kinder-Trauerkoffer für den Landkreis entwickelt, der bei der einfühlsamen Begleitung junger Menschen nach einem Verlust helfen soll.

Das vorgestellte Konzept verbindet Naturerfahrungen, den Kontakt zu Tieren sowie pädagogische und therapeutische Begleitung. Dabei kommen insbesondere Pferde, Ponys und Schafe zum Einsatz, die den Aufbau von Vertrauen, emotionaler Sicherheit und Selbstbewusstsein unterstützen können. Ergänzt wird dieser Ansatz durch natur- und erlebnispädagogische Angebote sowie individuelle psychosoziale Begleitung.

Für die Mitglieder des Kriseninterventionsdienstes war insbesondere der Umgang mit trauernden Kindern von großem Interesse. Denn Kinder erleben und verarbeiten den Verlust eines nahestehenden Menschen häufig anders als Erwachsene. Umso wichtiger ist es, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und ihnen altersgerechte Möglichkeiten zu bieten, Gefühle auszudrücken und mit ihrer Trauer umzugehen.

Krisendienst Niederbayern: Hilfe, wenn die eigenen Kräfte nicht mehr ausreichen

Ein weiterer Schwerpunkt des Fachdienstlagers war die Arbeit des Krisendienstes Niederbayern. Unter dem Titel „Wenn das Telefon klingelt …“ erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Einblicke in die vielfältigen Aufgaben und Abläufe der Krisenhilfe.

Dabei wurde deutlich, dass psychische und psychosoziale Krisen ganz unterschiedliche Ursachen haben können. Nicht immer steht ein einzelnes dramatisches Ereignis im Vordergrund. Häufig sind es anhaltende Belastungen, Ängste, familiäre Probleme oder persönliche Verluste, die Menschen an die Grenzen ihrer Bewältigungsmöglichkeiten bringen.

Der Krisendienst unterstützt Betroffene dabei, ihre Situation einzuordnen, vorhandene Ressourcen zu erkennen und gemeinsam nächste Schritte zu entwickeln. Ziel ist es nicht, sämtliche Probleme unmittelbar zu lösen, sondern zunächst wieder Orientierung, Zuversicht und Handlungsfähigkeit zu vermitteln.

Wie wichtig dieses Unterstützungsangebot ist, verdeutlichen auch die steigenden Kontaktzahlen. Während die Leitstelle des Krisendienstes Niederbayern im Jahr 2021 insgesamt 5.050 Kontakte verzeichnete, waren es 2025 bereits 12.569. Die Krisendienste Bayern sind unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 655 3000 erreichbar.

Besonders interessant für die Einsatzkräfte des Kriseninterventionsdienstes war die Frage, wie eine weiterführende Begleitung nach einem belastenden Ereignis gelingen kann. Während der KID vor allem in der akuten Phase Unterstützung leistet, können die Krisendienste auch dann wichtige Ansprechpartner sein, wenn sich seelische Belastungen erst Tage oder Wochen später verstärken. Eine gute Vernetzung der verschiedenen Hilfsangebote ist deshalb von entscheidender Bedeutung.

Zusammenarbeit mit der Polizei im Einsatz

Auch die Schnittstellen zwischen Kriseninterventionsdienst und Polizei standen auf dem Programm. Im Fokus standen dabei die Aufgaben des Kriminaldauerdienstes (KDD) sowie der polizeilichen Betreuungsgruppen.

Gerade bei Todesfällen mit zunächst ungeklärter Ursache oder anderen Ereignissen, die kriminalpolizeiliche Ermittlungen erforderlich machen, treffen unterschiedliche Aufgabenbereiche aufeinander. Während sich der Kriminaldauerdienst beispielsweise um die Sicherung von Spuren, erste Ermittlungen und die Klärung des Geschehens kümmert, übernehmen die Kräfte des Kriseninterventionsdienstes die psychosoziale Betreuung betroffener Angehöriger.

Darüber hinaus verfügen die bayerischen Polizeipräsidien über speziell geschulte Betreuungsgruppen, die insbesondere bei größeren Schadensereignissen, Gefahrenlagen oder Katastrophen zum Einsatz kommen können. Sie unterstützen Opfer und Angehörige, informieren über polizeiliche Abläufe und arbeiten eng mit den regionalen Strukturen der psychosozialen Notfallversorgung zusammen.

Der fachliche Austausch verdeutlichte, wie wichtig klar definierte Zuständigkeiten, gegenseitiges Verständnis und eine abgestimmte Zusammenarbeit sind. Denn gerade in emotional besonders belastenden Situationen müssen polizeiliche Maßnahmen und die Betreuung der Betroffenen möglichst gut ineinandergreifen.

Menschen besser verstehen und angemessen reagieren

Neben den fachlichen Einsatzthemen beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch mit unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen und menschlichen Verhaltensweisen. Hierzu wurden das Riemann-Thomann-Modell sowie die vier Tiertypen nach Tobias Beck vorgestellt.

Das Riemann-Thomann-Modell beschreibt mit Nähe, Distanz, Dauer und Wechsel vier grundlegende menschliche Bedürfnisse. Während manche Menschen besonders viel Wert auf Gemeinschaft und persönliche Beziehungen legen, stehen für andere Unabhängigkeit, Sicherheit oder Veränderung im Vordergrund.

Einen anschaulichen Zugang zu unterschiedlichen Persönlichkeitseigenschaften bieten auch die vier Tiertypen Wal, Hai, Delfin und Eule. Sie stehen sinnbildlich für verschiedene Verhaltensweisen – von empathisch und harmonieorientiert über zielstrebig und durchsetzungsfähig bis hin zu spontan, kreativ oder besonders strukturiert und analytisch.

Für die Arbeit im Kriseninterventionsdienst können solche Modelle wertvolle Denkanstöße liefern. Schließlich reagieren Menschen auf außergewöhnliche Belastungen sehr unterschiedlich. Während manche Betroffene das Gespräch und die Nähe anderer suchen, benötigen andere zunächst Abstand, klare Informationen oder feste Strukturen. Die Auseinandersetzung mit diesen Unterschieden kann dabei helfen, das eigene Kommunikationsverhalten bewusster zu gestalten und individueller auf die Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen.

Wertvoller Austausch über Kreisverbandsgrenzen hinweg

Neben den verschiedenen Fachthemen bot das gemeinsame Fachdienstlager auch Gelegenheit, Erfahrungen aus dem Einsatzalltag auszutauschen und bestehende Kontakte zwischen den Kriseninterventionsdiensten der beteiligten Kreisverbände zu vertiefen.

Die Beteiligung von zehn BRK-Kreisverbänden unterstrich dabei die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit über die eigenen Verbandsgrenzen hinaus. Gerade in der psychosozialen Notfallversorgung sind fachliche Kompetenz, Einfühlungsvermögen und ein gut funktionierendes Netzwerk von besonderer Bedeutung.

Das Fachdienstlager machte einmal mehr deutlich, wie vielfältig die Herausforderungen in diesem Bereich sind und wie wichtig es ist, sich kontinuierlich mit neuen Ansätzen und Erkenntnissen auseinanderzusetzen.

Mit zahlreichen neuen Impulsen für ihre tägliche Arbeit konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf eine informative Fortbildungsveranstaltung zurückblicken. Gleichzeitig zeigte das gemeinsame Treffen, wie wertvoll der persönliche Austausch und das gegenseitige Kennenlernen sind – damit Menschen in besonders schwierigen Lebenssituationen auch künftig bestmöglich begleitet und unterstützt werden können.